Erich Kästner-Schule 1971-2022  

 

50 Jahre Erich Kästner Schule - das ist es Wert gefeiert zu werden, auch mit Corona - bedingter einjähriger Verspätung. 

1969 begann in NRW mit den ersten Gesamtschulgründungen eine neue Schul-Ära. Die Landesregierung setzte eine Empfehlung des Deutschen Bildungsrates um, Gesamtschulen als Versuchsschulen einzurichten. Ein Jahr später folgte die Stadt Bochum: die Gesamtschule Bochum wurde gegründet.  Im Geist der 1968er-Jahre war das Ziel eine Schule für alle Kinder und Jugendliche zu schaffen, an der die soziale, kulturelle und ökonomische Herkunft nicht über die Lebensperspektiven entscheiden sollte. Getreu diesem Motto hat auch die Gesamtschule Bochum neue didaktische Konzepte und Methoden entwickelt und somit die Schullandschaft der heutigen Zeit ein Stück weit mitgestaltet. 

Vieles hat sich in den letzten 50 Jahren weiterentwickelt, so wie unser Schulgebäude: Der ursprünglich 10zügig ausgelegte Neubau der 1970er Jahre wurde 2011 durch einen modernen Campusbau für eine sechszügige Gesamtschule ersetzt. Die Riesenschulen hatten sich überlebt. Viele Ideen und Erkenntnisse der Gründerzeit sind aber erstaunlich aktuell. Erlauben Sie uns eine kurze Annäherung.   

Gründung 

Im Dezember 1970 wurden die ersten 315 Schülerinnen und Schüler aufgenommen, April 1971 genehmigte Kultusminister Girgensohn die Gesamtschule in Bochum – Querenburg. So konnte im August 1971 der Unterrichtsbetrieb starten.  

Der Gründungserfolg klingt heute noch atemberaubend: Im Februar 1973 wurden fürs kommende Schuljahr 1561 Anmeldungen verzeichnet, nur 288 Kinder konnten aufgenommen werden. Das waren 10 Parallelklassen im 5. Jahrgang: Die Schule boomte. Heute sind wir stolz, wenn wir 200 Anmeldungen verzeichnen können 

Folgerichtig wurde im September 1975 der Gesamtschulneubau bezogen. Im Oktober 1979 erreichte die Gesamtschule Bochum ihre größte Auslastung: 2040 Schülerinnen und Schüler haben hier gleichzeitig gelernt: wir waren vollständig 10-zügig. 

 

Chancengleichheit 

Die postulierte Chancengleichheit der Gründungsphase stand auf dem Prüfstand. 1980 legten 34% des ersten EKS-Jahrgangs die Abiturprüfung ab – das war erstaunlich und erfreulich, denn nur 20% hatten beim Start 1971 die Gymnasialempfehlung mitgebracht. Dieser Trend gilt bis heute: Die Gesamtschulen haben ihren Anspruch einlösen können, für größere Bildungsgerechtigkeit zu sorgen. Das erkannten auch die Schülerinnen und Schüler des ersten Jahrgangs an: „In der Oberstufe war ein guter persönlicher Umgang mit den Lehrern; sie haben sich große Mühe gegeben.“ 

Chancengleichheit war auch ein ständiges Thema im Kollegium, wie die Protokolle der Lehrkräftekonferenzen von 1971 und 1972 belegen. Hier hieß es unter anderem:  

„Die bekannte Tatsache der geringeren Chancengleichheit von Mädchen in Bezug auf weiterführende Schulabschlüsse kann von der Gesamtschule nicht akzeptiert werden. Deshalb muss durch eine modifizierte Auslosung ihre angemessene Berücksichtigung gewährleistet werden, ähnliches gilt für die Schichten.“ 

Anmerkung: Lehrkräftekonferenzen fanden in der Anfangszeit wöchentlich statt. Aber das hat sich zum Glück überlebt. 

Erziehungsstil 

Neben fachlichen und methodischen Fähigkeiten sollen soziale Kompetenzen vermittelt und vorgelebt werden. Die konsequente Umsetzung des Teamschulgedankens zeigt sich aktuell in allen Bereichen des Schulalltags. Auf Lehrkräfteebene sind Teamsitzungen, die erweiterte Schulleitungsrunde, Steuer- und Mediengruppe Beispiele gelungener Zusammenarbeit. Auch auf Schülerinnen- und Schülerebene wird in allen Jahrgängen besonderer Wert auf den sinnvollen Umgang mit Regeln und konstruktiven Umgang mit Konflikten gelegt. Gremien wie Klassenrat, Jahrgangsversammlungen und Zusammenarbeit in der Schülervertretung als „Schule ohne Rassismus“ sind Beispiele für Zusammenarbeit und Demokratiebildung. Ihren Ursprung haben diese Gedanken schon in den Anfängen der EKS. So stellte die Lehrkräfteversammlung 1971 fest:  

„Wir wollen uns nicht herkömmlich autoritär, sondern sozial-integrativ verhalten. Die Schüler sind nicht Objekt unseres Lehrens, sondern Subjekt ihres Lernens sein.“  

Vom Erfolg dieses Vorgehens war man überzeugt:   

„Was wir in den Wochen versäumen, weil wir zunächst erziehen und ein freundliches Sozialklima verbreiten müssen, holen wir im Rest des Jahres wieder ein, denn fröhliche Schüler sind bessere Schüler“ 

Unterrichtsmethode 

Kooperatives Lernen als Grundlage des Demokratielernens beruht auf der These, dass das gemeinsame Handeln von Schülern eine demokratische Lernkultur und damit Demokratie fördert. Um die Jahrtausendwende erhielt diese Erkenntnis eine bemerkenswerte Renaissance durch das "Cooperative Group Learning" der charismatischen Kanadier Kathy und Norm Green. Auch an unsere Schule hielt diese Methode nachhaltigen Einzug in den Unterricht. 
In der Laudatio zur EKS-Schulpreisverleihung im Jahre 2012 wird das Kooperative Lernen als ein Erfolgsgarant hervorgehoben: „Die Gruppenarbeit von Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Leistungsstärken bildet die Grundlage für erfolgreiche Schulabschlüsse aller.“ Dieser Gedanke findet sich schon in den 70er Jahren:  

„Das Sprechbedürfnis der Schüler wird vor allem im Frontalunterreicht unterdrückt, gerade hier setzt Gerede den Lehrer unter Druck. Bei Gruppenarbeit kann ohne Störung in der Arbeit der Schule eine private Bemerkung zum Nachbarn einfließen. Es könnte also sein, dass ein großer Teil der polaren Spannung Lehrer-Schüler durch dieses Unterrichtsverfahren beseitigt wird. Zudem gibt diese Form den subjektiven Interessen der Schüler etwas mehr Raum als das verbale Ping-Pong des Frontalunterrichts.“ 

Ausstattung 

In den letzten 50 Jahren wurde nichts so intensiv diskutiert, wie die Ausstattung der EKS. Anspruch und Wirklichkeit klafften oft weit auseinander. Dabei ging es für die Bochumer Pilotschule hervorragend los: Bereits in den 1980er Jahren wurde das Kollegium durch schuleigene Experten unterstützt: „1 Schulpsychologe, 1 Bibliothekarin, 1 Drucker, 1 Werkstattlehrer und 1 Verwaltungschef als Organisationsleiter“ arbeiteten hier und entlasteten das Kollegium deutlich. Trotzdem stellte und stellt die Schulgemeinde immer wieder Mängel fest. So lud der Lehrkräfterat im April 1972 das Schulverwaltungsamt ein, an der Lehrkräftekonferenz teilzunehmen. Die Tagesordnungspunkte waren: „Freigabe von Etatmitteln – Ausbau des Außen- u. Freizeitgeländes – Anlage von Parkplätzen – Bereitstellung von Schreibkräften – Beschaffung von Fahrradständern – Errichtung von Ballfangzäunen“. Und – heute nicht vorstellbar - der Einladung wurde gefolgt: Es kamen der Bürgermeister (Kuhnert), der Kulturdezernent (Dr. Erney) sowie Amtsleiter (Machelett) und Stellvertreter (Neukirchen) des Schulverwaltungsamts zur Lehrkräftekonferenz der EKS! Und noch besser: alle Wünsche wurden erfüllt. 

Auch die Schülervertretung äußerte damals dringende Bedürfnisse: „Getränkeautomat, Schließfächer, ein Verkaufsstand für Getränke und Bonbons sowie Kunstrasen auf dem Schulhof“ standen bei ihnen auf der Liste. 

Und heute: einiges von dem Genannten hat aktuelle Bedeutung. Vielleicht sollten wir auch 2022 einmal eine Einladung zur Lehrkräftekonferenz aussprechen… 

Konferenzen 

Apropos Konferenzen – in keinem anderem Arbeitsbereich der Schule wurde so viel experimentiert wie bei der Konferenzgestaltung. Schon 1971 ging man forsch ans Werk, man beschloss unter anderem: 

„Es werden wöchentlich Klassenkonferenzen abgehalten. Diese finden Dienstagnachmittag statt und zwar vor den Gesamtkonferenzen.“ 

Ja, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen: Klassenkonferenzen wöchentlich, und zwar immer vor den wöchentlichen Lehrkräftekonferenzen. Aber es ging noch weiter:  

„Als Vertreter des Kollegiums in der Schulpflegschaft wird im Wechsel ein Drittel des Kollegiums delegiert. Der Lehrerrat legt fest, welches Drittel jeweils teilzunehmen hat.“ 

Es ist aus den vorliegenden Unterlagen nicht zu erschließen, wie oft die Schulpflegschaft tagte – sicher aber öfter als heute. Die hohe Beanspruchung des Kollegiums durch diese Zusammenkünfte hatte natürlich Konsequenzen: 

„Bei der hohen Krankheitsquote der Kollegen wird bei zusätzlichem Ausfall durch Tagungen – falls nicht von der Regierung angeordnet – durch die Gesamtkonferenz beschlossen, ob die Teilnahme zweckmäßig erschient oder nicht.“ 

Fortbildungswünsche mussten von der Gesamtkonferenz genehmigt werden - klingt interessant. Auch der Konferenzverlauf wurde ab und an heftig kritisiert. So verfasste der Lehrkräfterat 1972 ein Statement, indem er den unbefriedigenden Verlauf der letzten Lehrkräftekonferenz monierte und sich über den Konferenzleiter und „seine zu wenig straffe Konferenzleitung“ beschwerte.  

Übrigens: Der Leiter der Lehrkräftekonferenz war mitnichten der Schulleiter bzw. die Schulleiterin, sondern ein Mitglied eines Konferenzleitungsgremiums, das vom Kollegium gewählt worden war und mit jeweils eine Stunde entlastet wurde. 

Die wöchentliche Konferenzpraxis wurde schon nach einem Jahr aufgegeben – ich denke, das war gut so.  

Freizeitmütter  

Das Großsystem der 1970er Jahre stellte auch an die Gestaltung des Pausen- und Freizeitbereichs enorme Anforderungen. 2000 Schülerinnen und Schüler wollten nicht nur beaufsichtigt, sondern auch sinnvoll beschäftigt werden. Die Lehrkräftekonferenz dazu: 

“Die Aufsicht im Speisesaal ist überlastet. Eine Aufsicht aus der Halle oben wird in Zukunft im Speisesaal zusätzlich Aufsicht führen.“ oder „Die AG Fischertechnik findet im Klassenraum der 5/5 statt. Der Raum soll jedes Mal ziemlich verwüstet sein. Der Sache soll nachgegangen werden.“ 

Einen wichtigen Beitrag zur Freizeitgestaltung leisteten seit Mitte der 70er Jahre ehrenamtlich tätige Mütter (selten Väter), die beim Austeilen des Mittagessens, bei diversen Freizeitaktivitäten oder bei Sportfesten zum Gelingen des Schulbetriebs beitrugen. Auf diversen Tagungen konnte die EKS vom beispielhaften Engagement der „Freizeitmütter“ berichten. Zeitweilig gab es neben den ehrenamtlichen Müttern auch nebenamtliche beschäftigte Mütter, deren Salär aber mehr als dürftig ausfiel. Bereits in den 80er Jahren scheint diese Praxis aufgeben worden zu sein. 

In der Festschrift zum 20jährigen Bestehen der EKS heißt es: „Es ist nicht zu beschreiben, um was die Schule ärmer wäre, wenn es die Mütter nicht gäbe. Wer könnte die Spieleausgabe betreuen, wer die vielen Arbeitsgemeinschaften erteilen, die von Müttern geleitet werden? Es hätte kein Schneidern gegeben und kein Maschineschreiben, kein Hockeyspiel und nur die Hälfte der Töpferkurse, keine Basare an den Elternsprechtagen und keine Mittagsbetreuung in der Bücherei und im Arbeitsraum, wenn unsere Mütter nicht ungezählte Stunden ihrer Freizeit opfern würden.“ 

Nun haben sich die Lebensbedingungen in den letzten Jahren verändert, die meisten Mütter sind heute berufstätig und können sich nur bedingt einbringen. Dennoch dürfen wir mit großen Stolz feststellen, dass die Unterstützung durch die „Freizeitmütter“ bis heute Bestand hat. Ob in der Knusperstube, bei der Spieleausgabe oder in der Bibliothek – es gibt sie noch heute, wie das Buffet des kleinen Empfangs am Ende dieses Festaktes. Vielen Dank, liebe Eltern! 

Pausengestaltung 

Fragt man die ehemaligen Schülerinnen und Schüler der EKS nach schönen Dingen, die sie an der Schule erlebt haben, wird sehr häufig auf Pausen verwiesen:  

„Gut waren die Freizeitmöglichkeiten und Disco und -zig AG´s.“ 

Pausen verbrachten die Schülerinnen und Schüler – jedenfalls vor Corona grundsätzlich außerhalb des Klassenraums – das wurde schon auf der ersten Lehrkräftekonferenz geregelt:  

„In den großen Pausen verlassen die Kinder das Gebäude und gehen auf den Hof – Die Klassen werden zu Beginn der Pausen abgeschlossen, der Klassenlehrer beauftragt einen Schüler, den Schlüssel morgens aus dem Sekretariat abzuholen und nach Schulschluss dort wieder abzugeben“. 

Auch die Spielorte wurden festgelegt:  

„Spielmöglichkeiten im Gebäude: Hof: Lauf- Spring- und Ballspiele, im Gebäude: ruhige Spiele. „Für Beat und Tanzen ergab sich keine Lösung.“ 

Es wurde – wen wundert es - eine Arbeitsgruppe gebildet. Ergebnis: „Beat wurde zwischen den Außentoiletten erlaubt“. Ein Debattierclub wurde ebenfalls installiert. 

Selbstverständlich meldete sich die Schülervertretung zu Wort: „Es könnten bessere Spiele in der Spielausgabe sein!“ 1982 wurden die Überlegungen der umfassender, man wünschte sich:  

„.. eine Sonnenterrasse, einen Toberaum, einen Filmraum in den Mittagspausen und tägliche Schminkaktionen vor der Teestube. Zudem sollte das Sprachlabor, das eh keiner benutzte zum Clubraum umfunktioniert werden.“ 

Bis heute spielen die Pausen im Leben einer Ganztagsschule eine herausragende Bedeutung. Gerne erinnere ich mich an den Fußball-Pausencup, den wir etwa ab 2005 in den Jahrgängen 5 und 6 organisiert haben. Die wöchentlichen Wettspiele hatten im Selbstverständnis vieler Schülerinnen und Schüler einen höheren Stellenwert, als mancher Unterricht. Im Schulneubau von 2011 sind diese Erkenntnisse in das Konzept der Jahrgangsschulhöfe eingeflossen.   

Schulregeln – ja oder nein? 

Die Diskussionen um Schulregeln und deren Durchsetzung bestimmte immer schon den Schulalltag. Eigentlich war man ja als Kind der 1968er Generation Gegner weitreichender Regelungen. Dennoch waren diese unumgänglich, wie man schon 1972 feststellte: 

„Es besteht die Gefahr, dass sich ein weitgehend unreflektiertes, ungeschriebenes Regel- und Sanktionssystem herausbildet, das noch dazu von Lehrer zu Lehrer variiert (…)“ 

Die Lösung übernahm die Fachgruppe Gesellschaftslehre:  

„Im Gesellschaftskundeunterricht wird baldmöglichst eine Hausordnung entworfen. (…) Es besteht Einigkeit darüber, möglichst wenig Zwang anzuwenden, alle Anordnungen zu begründen. Voraussetzung für das Gelingen von konkreten Maßnahmen ist verbindliche Übereinstimmung im Kollegium.“ 

Das Ringen um eine einheitliche Handhabung von Hausregeln ist bis heute Standard. Allerdings scheinen sich die Gefährdungslagen verändert zu haben. 1972 hieß es beispielsweise:  

„Wegen der Gefährlichkeit der Knalltüten wurde ein generelles Verbot vorgeschlagen. Ein Beschluss wurde noch nicht gefasst. Informationen der Kinder und Einschränkungen dieses Spiels wurden angeregt.“ 

Man tat sich in den Anfangsjahren schwer mit Regelungen, erst recht aber mit Bestrafungen. Dazu:  

„Es soll kein Strafkatalog erstellt werden, Ausgeschlossen wurden Strafen wie körperliche Züchtigung, sinnloses Abschreiben und psychischer Terror (Androhen von Tests). (…) Als sinnvolle Strafe erscheint das Schreiben eines Berichts, indem die Schüler zum Nachdenken über ihr Tun gezwungen werden, ebenso das Verlassen des Raumes.“ 

Die Diskussionen der Anfangsjahre gewinnen aktuell nach zwei Jahren Corona-Beschulung wieder an Bedeutung. Für ein funktionierendes Miteinander im Schulalltag werden Regelungen wieder verstärkt in den Blick genommen. 1971 formulierte die Lehrkräftekonferenz als dringendste Regel: 

„Lehrer und Schüler werden ermahnt, pünktlich zum Unterricht zu erscheinen!“ 

Glanzlicher 

Innovative Kulturangebote haben über 50 Jahre unser Schulleben geprägt. Oftmals waren es diese Events, die sich im Gedächtnis einprägten. Ihre Anfänge nahmen sie in einem Konzept, das unter dem Label „Kulturbeutel“ Eingang ins Schulleben fand. „Es waren kleine kulturelle Veranstaltungen, die ohne allzu großen Aufwand in der Schule abliefen. Von Tanz-Workshops über politische Vorträge bis zu Schülerkonzerten war alles möglich.“  

Von 1994-2009 wurden die losen Fäden in dem jährlichen Kulturfest „Cafe International“ gebündelt, das von der Abteilungsleitung 7/8 und der Fachgruppe „Darstellen und Gestalten“ in der damaligen Studiobühne organisiert wurde. Ich erinnere mich gerne an die letzte Veranstaltung 2009: Der überwältigende Besuch zeigte, welchen Stellenwert diese Veranstaltung auch bei den Kindern und den Eltern der EKS hatte. Das Programm umfasste selbstproduzierte Handyfilme, Raps, Theaterstücke, Schwarzlichttheater und Maskenspiele und bleibt bei vielen damaligen Gästen noch heute in Erinnerung. Nach dem Umzug ins neue Schulgebäude wird dieses kulturelle Angebot als „DaGE Abend“ fortgeführt. 

Vor der Jahrtausendwende spielte noch eine weitere Veranstaltung eine große Rolle. In der 20 Jahre - Festschrift von 1991 heißt es dazu: „Für mich persönlich am schönsten waren immer die Projektwochen. Einmal im Jahr als Lehrer sein Steckenpferd in allen Gangarten reiten zu dürfen und dabei Kinder für die jeweilige Sache begeistern zu können, weil sie sie ja selbst gewählt hatten, das war uns ist für mich das schönste am Schulleben.“  

Der heutige Tag ist zugleich der Abschluss eine Projektwoche, die nicht nur inhaltlich, sondern auch methodisch an die Geschichte der EKS erinnern soll. Ich denke, das ist gelungen. 

Es gab und gibt weitere kulturelle Veranstaltungen, die das Schulleben der EKS bestimmt haben und bestimmen. Regelmäßige Theateraufführungen der Theater-AG, das jährliche Kästner-Musical oder die jüngst ins Leben gerufene Kunstabende sind nur einige Beispiele für ein innovatives Kulturleben an der Schule, das eine lange Tradition als „Glanzlicht“ hat. - ganz nach dem Motto Erich Kästners: „Der Mensch soll lernen, nur die Ochsen büffeln.“ 

 

1970er Jahre: Lob 

Wenn man die erste Schülerinnen- und Schülergeneration fragt, was an der EKS besonders gut war, erhält man in überwältigender Anzahl Antworten wie:  

„Angenehm war das Klima zwischen Lehrern und Schülern.“ oder 

 „Wenn ich das mit anderen Schulen vergleiche, dann würde ich sagen, dass die Atmosphäre wesentlich entspannter was an der GS und dass es irgendwie persönlicher war.“ oder 

„Am besten war das Lernen überhaupt. Ich hatte das Gefühl, dass das lockerer war als an den anderen Schulen.“ 

Auch das „längere gemeinsame Lernen“ wurde ausdrücklich gelobt: 

„Ich finde es gut, wenn so lange wie möglich die Klassengemeinschaft erhalten wird. Bis zu einem gewissen Punkt kann man immer noch zusammen lernen. Sonst wäre es ja auch kein Unterschied zu anderen Schulen.“  

Weitere Errungenschaften der Gesamtschule wurden ebenfalls hervorgehoben: 

„Differenzierung war schon gut. Dass ist doch kein Nachteil für die Langsamen, eher ein Vorteil. So können Sie Schritt für Schritt aufbauen, sonst können Sie nicht mit.“ 

„Gut fand ich den WP-Bereich, da konnte man so relativ frei wählen.“ 

Als Fazit einer EKS-Karriere vermerkte ein Schüler:  

„Nachteile gegenüber anderen Studenten als Gesamtschüler habe ich nicht!“ 

Aus den Reihen der Lehrkräfte wurde dazu beigetragen:  

„Gefreut hat mich besonders, wie selbstbewusst die damals so kleinen Elfjährigen geworden sind. Und beruhigt hat mich, dass meine so schwierige Klasse so gute Schulabschlüsse geschafft hat.“ 

Ähnlich formulierte das ein Kollege: 

„Die Aussagen der Schüler sowie meine eigenen Erfahrungen zeigen, dass ein gemeinsamer Unterricht verschieden begabter Schüler sinnvoll und machbar ist. Für meine Klasse jedenfalls lässt sich beweisen, dass der, der mit guten Bedingungen zur GS gekommen ist, dies auch bis zum Abitur gehalten hat, dass aber zusätzlich noch einige aus ungünstigeren Voraussetzungen hinzugekommen sind.“ 

 

1970er Jahre: Kritik 

Natürlich wurde in den 1970ern auch Kritik geäußert. Im Zentrum stand hier der damals ungewohnte Ganztagsbetrieb: 

„Und die lange Mittagspause fand ich nicht gut“ 

„Schlecht war die lange Schulzeit bis 16.00 Uhr!“ 

„Die langen Schulwege und die Schulbusse sind eine Zumutung.“ 

„Der Ganztagsbetrieb hat manchmal ganz schön geschlaucht. Ich fände es besser, ihn abzuschaffen, samstags müsste aber frei bleiben.“ 

„Schlecht war das mit dem Nachmittagsunterricht, dass man trotzdem im 11. Schuljahr wieder Hausaufgaben aufgekriegt hat.“ 

Als wenig zielführend wurden darüber hinaus folgende – zum Teil gesamtschulspezifische – Besonderheiten empfunden: 

„Im ersten Jahr waren wir eher so Versuchskaninchen (…). Fürs Leben haben wir zwar viele Dinge gelernt, die sinnvoll waren, aber auf anderen Schulen musste man noch vieles auswendig lernen. Das war schwierig beim Schulwechsel.“ 

„Schlecht war auch, dass es erst keine richtigen Zensuren gab, nur „e“ oder „t“.“ (Anmerkung: e= Lernziele erreicht, t=Lernziele teilweise erreicht, n = Lernziele nicht erreicht gab es offenbar nur theoretisch) 

 „Das Schlechte war, dass sie es mit uns mit der Mengenlehre versucht haben.“ 

Aus Lehrersicht wurde folgendes relativiert: 

„Und zugleich hatte ich die Hoffnung, zugunsten der Einsicht fast ganz auf meine Autorität als Lehrer verzichten zu können; ich musste aber lernen, dass die Schüler dies mit Schwäche verwechseln.“ 

Viele Kritikpunkte haben sich überlebt, einige Zielsetzungen der Anfangsjahre sind sicherlich gescheitert. Der Kerngedanke einer Schule des längeren gemeinsamen Lernens aber gilt noch heute. 

Anekdoten 

Zum Abschluss unserer Annäherung an 50 Jahre EKS möchten wir einige Anekdoten der Anfangsjahre präsentieren, die zum Schmunzeln anregen sollen: 

U: „Referendare dürfen noch nicht offiziell an Gesamtschulen beschäftigt werden. Ausnahmen sind mit entsprechender Sorgfalt durchzuführen.“ 

L: „Ein Kollege ist als Hasch-Experte nach Arnsberg zu melden!“ 

U: „Autos dürfen nicht auf den Zufahrtswegen zur Schule geparkt werden, wegen der Müllabfuhr. Unterhalb der Turnhalle werden im Winter 60 Parkplätze geschaffen.“ 

L: „Ich erinnere mich noch, dass wir manche Konferenz bis nachts halb elf dauern ließen, obwohl wir am nächsten Tag wieder Unterricht hatten. (…) Wir waren alle verrückt, verrückt in jener produktiven Form, die man braucht, wenn etwas Neues geschaffen werden soll.“ 

U: „Wenn Eltern z.B. die Mengenlehre für Unsinn halten, wird die Motivation des Schülers dem entsprechen. Hier ist „Mathematik für Eltern“ ein Ansatz zur Änderung. (…) Im nächsten Schuljahr werden nicht nur Elternabende für einzelne Fächer, sondern auch solche für übergreifende Erziehungsfragen veranstaltet.“ 

L: „Aus den Anfängen innerschulischer Mitwirkung – die Klasse 5/5 schreibt an das Lehrerkollegium: „Wir haben beschlossen, dass die Eltern von den Konferenzen ferngehalten werden und dass die Kinder genau so viel Stimmrecht wie die Lehrer haben, weil die Eltern meistens mit den Meinungen der Lehrer übereinstimmen.“ 

Wir wünschen Ihnen allen auch in Zukunft viel Freude mir der Erich Kästner-Schule! 

Ute Dörnemann  & Dr. Ludger Jonischeit 

Anmerkung: Der Text wurde in Kurzfassung am 8.4.2022 im Rahmen des Festakts zur 50 Jahre Feier der Schule vorgetragen. Aus der dazugehörigen Bildpräsentation wurden an dieser Stelle ausgewählte Bilder übernommen. 

 

 

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