Erich Kästner-Gesamtschule Bochum mit deutschem Schulpreis 2012 ausgezeichnet

DSP 12 Erich Kaestner Bochum
Foto: Robert Bosch Stiftung / Max Lautenschläger

 

 

Am 12.6.2012 wurde in Berlin der Deutsche Schulpreis 2012 der Robert Bosch Stiftung verliehen. Die Erich Kästner Gesamtschule wurde neben vier weiteren Schulen mit dem 25.000 Euro dotierten Preis ausgezeichnet.

 

Für den größten und mit 243.000 Euro höchst dotierten deutschen Schulwettbewerb mussten alle Schulen umfangreiche Bewerbungsunterlagen zu den sechs Qualitätsbereichen des Deutschen Schulpreises einreichen. Auf Basis der Unterlagen hatte die Jury zunächst 20 Schulen ausgewählt, die im Januar und Februar von Juryteams vor Ort besucht und geprüft wurden. Nach den Schulbesuchen wurden 15 Schulen nominiert.

 

Die Preisträger wurden von einer hochrangig besetzten Fachjury ermittelt; der Jury gehören Schulpraktiker, Wissenschaftler sowie Vertreter des staatlichen und privaten Schulwesens an. Grundlage des Deutschen Schulpreises ist ein umfassendes Bildungsverständnis. Dabei orientiert sich die Jury an folgenden Qualitätsbereichen: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulleben und Schule als lernende Institution. Diese Kriterien haben sich in den letzten Jahren als Merkmale für gute Schule etabliert.

Foto0014
Schulpreis 2012



Unter dem Motto „Dem Lernen Flügel verleihen" zeichnen die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung in Zusammenarbeit mit dem stern und der ARD bereits zum sechsten Mal die besten Schulen Deutschlands aus. Um die Innovationskraft der Preisträger für die Schulentwicklung in Deutschland zu nutzen, gehören die ausgezeichneten Schulen für fünf Jahre der Akademie des Deutschen Schulpreises an.

Aus der Laudatio:

Noch gibt es erst wenige Schulen in Deutschland, deren Architektur die Leitgedanken des Schulprogramms so ersichtlich und so einleuchtend abbilden wie im Fall der Erich Kästner-Schule Bochum (EKS). Hier fügen sich eine bald zehnjährige zielgerichtete Schulentwicklung und die Notwendigkeit eines Schulneubaus zu einer geglückten Synthese.

Auf drei Ziele hatte sich die EKS seit 2004 in ihrer Schulentwicklung verständigt: auf das kooperative Lernen, auf die systemische Entwicklung hin zu einer Teamschule und auf die vier Schulprofile Kunst und Medien, Notebook mit Englisch plus, Sport und Gesundheit sowie Technologie. Mit dieser Fokussierung erhielt die große Gesamtschule aus den frühen 70er Jahren in einer für sie kritischen Situation neuen Schwung und neuen Zuspruch. Diese nahmen zudem erheblich zu, als das Schulprogramm Eingang fand in
die Ausschreibung, Planung und Gestaltung des Schulneubaus.

Modellhaft lässt die EKS heute die Richtigkeit der These vom „Raum als dritten Pädagogen" erleben. Die Klassenräume für die Jahrgänge gruppieren sich mit Differenzierungsräumen um die Teamlehrerzimmer. Ebenso wohldurchdacht sind die Möblierung der Räume sowie Zuordnung und Ausstattung der Fachräume. Lichte, offene Höfe und Atrien führen hin zu den zentralen Funktionen wie Mensa, Aula oder Bibliothek. Dadurch, dass das Kollegium, Schüler und Eltern von der Schulleitung als Experten in die Gestaltung derneuen EKS verantwortlich einbezogen wurden, wuchs bei allen Beteiligten eine spürbar starke Identifikation mit ihrer Schule. Und diese ist eine Ursache für ihre erstaunlich guten Leistungen und Abschlüsse.

Der Deutsche Schulpreis 2012 für die Erich Kästner-Schule

Welch eine Auszeichnung!

Hört man den Reden der Abiturienten auf ihrer Entlass Feier zu, bekommt man eine Ahnung, wofür uns dieser Preis verliehen sein könnte: einundfünfzig Abiturienten hatten wir diesmal, keine zehn davon hatten zu Beginn der Jahrgangstufe 5 eine Gymnasialempfehlung. Viele hatten „nur" eine Hauptschulempfehlung. Was zwischen Jahrgang 5 und Jahrgang 13 passiert ist, bedeutet Förderung individueller Stärken, Entfaltung von Leistungsmotiven, Aufbau sozialer Kompetenzen. Das ist das Erfolgsrezept unserer Schule. – Das Bemühen ist schon immer Kennzeichen unserer Schule gewesen, der Erfolg ist hinzugekommen.

Woran liegt das?

Ein hochmotiviertes und innovationsfreudigen Kollegium mit einer gelungenen Mischung erfahrener und junger Lehrer, die in Jahrgangsteams nahe bei den Schülern arbeiten;
Schüler aus annähernd 40 Nationen, die in der Schule lernen friedlich und respektvoll miteinander umzugehen und sich gegenseitig zu unterstützen;
Eltern, die sich in der Schule und für die Ziele der Schule engagieren und ihre Kinder nicht nur abliefern;
Ein Schulgebäude, das pädagogisch gestaltet, hell , freundlich und modern eingerichtet ist und damit beste Lernmöglichkeiten bietet;
Profilklassen, die unterschiedlichen Neigungen und Begabungen entgegen kommen und damit Raum für individuelle Entfaltung bieten;
eine schüleraktivierende Unterrichtskultur, in der fachliches und soziales Lernen eine Synthese bilden – kooperatives Lernen eben.

Aufbauend auf einer Schwerpunktsetzung, in der die Förderung des Miteinander der Kulturen und eine umfassende Gesundheitserziehung von besonderer Bedeutung war, ist so allmählich gelungen neuen Schwung in unsere Schule zu bringen, die zu den ältesten Gesamtschulen des Landes gehört. Das bedeutet ein Jahrzehnt Umbau- und Aufbauarbeit, die die gesamte Schulgemeinde, vor allem das Kollegium, gemeinsam zu stemmen hatte.

Wie so manche andere Schule, die mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurde, hat die Erich Kästner-Schule also schwierige Zeiten hinter sich, in denen die Anstrengungen und das Bemühen des Kollegiums sich nicht in Erfolgen bei der Aufnahme von Schülern oder bei ihren Abschlüssen niederschlugen. Den Wandel geschafft zu haben und sich von innen heraus durch gemeinsame Arbeit umgestaltet zu haben, das hat den Erfolg möglich gemacht. Die Stadt Bochum hat uns dabei durch den Schulneubau vehement unterstützt und dem Architekten, Ralph Röwekamp, und seinem Team gebührt der Dank für die Ausführung der neuen Schule, in der die Schüler und ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen.

 

PS: Kommentar zu einigen Ausführungen in der Schulbeschreibung und bei der Preisverleihung:

„Desolat" (Gabi Bauer) war unsere Schule nie, sie hatte aber erhebliche Probleme in ihrer Struktur, so dass trotz allen Bemühens die gute Arbeit des Kollegiums sich nicht in Anmeldungen und Abschlüssen ausdrückte. Das war die „Überforderung", denn die Sekundarstufe II war in ihrer Existenz gefährdet (nicht die ganze Schule, aber was wäre eine Gesamtschule ohne Oberstufe?). Entscheidend für die Wende waren die strukturellen Veränderungen. Natürlich gehören Jung und Alt im Kollegium zusammen und ergänzen sich gegenseitig – nur mit Jugend allein kann nicht neu gestaltet werden. Aber ohne diesen Schwung wäre es nicht das geworden, was heute ist. Der Erfolg drückt sich auch in einer veränderten Wahrnehmung aus. Dort, wo früher noch unsere international und sozial vielfältige Schule als „Chaotenschule" verunglimpft wurde, wird die gleiche Schülerzusammensetzung heute als Beispiel gelingender Integration gesehen. In dieser anderen Wertschätzung von Integrationsarbeit drückt sich ein Gewinn nicht nur für die EKS aus, sondern für die gesamte Gesellschaft.

Die komplette Sendung noch einmal schauen: << Hier klicken >>

Links zur Preisverleihung:

Robert Bosch Stiftung:

Preisträger
Video, Portrait, Laudatio, Bilder
Pressemitteilung

Presse:

WDR AKTUELL
WAZ
stern.de
Waltroper Zeitung (download als pdf)

 

 

 

 

Zusätzliche Informationen