Kunst- und Medienprofil an der Erich Kästner-Schule

Bereits ab Mai 2002 machte sich die Fachgruppe Kunst Gedanken über ein mögliches Kunst- und Medienprofil an unserer Schule. Ich habe hier unsere wichtigsten Überlegungen zusammengefasst.

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Was ist die Kunst, warum ist sie wichtig?

Es geht um die Welt der Bilder. Neue Lehrpläne verlangen, dass Schüler lernen sollen, sich in der Welt der Bilder zu orientieren, um sich selbst ein Bild von der Welt machen zu können . Zum betrachtenden Erfassen der Wirklichkeit tritt beim Kunstunterricht die Produktion: Kopf und Hand arbeiten zusammen, Theorie und Praxis sind verknüpft. Schüler entdecken die Möglichkeit, einer ihnen sich als fertig präsentierenden Welt etwas Neues, Eigenes hinzuzufügen. Hierbei entwickeln sie ihre Fantasie und Kreativität im Lösungsverhalten von Aufgaben. Kunstunterricht ist der Ort, der den reflektiven Umgang mit Bildern lehrt, also Wirklichkeit "aus zweiter Hand" thematisiert (Medienerziehung, Kunst-, Realgeschichte).

"Kunstunterricht stattet mit kulturellem Wissen aus, damit das Gestaltete der Geschichte in seiner künstlerischen wie gesellschaftlichen Bedeutung eingeordnet werden kann." (Johannes Kirschbaum, Süddeutsche Zeitung 20./21.04.02)

Kunstunterricht schult die fluide Intelligenz: Bildnerisches Arbeiten, gestärkt durch solide künstlerische Fertigkeiten, führt zu originären Lösungen. Die nach "Pisa" stark gefragten Kompetenzen des Wissens durch Sehen und Erleben fügen sich zum Verstehen einer komplexen Wirklichkeit.

Vier Funktionen hat die Kunst, die sie wichtig für Schule und Leben macht: 1. die kritische, 2. die utopische, 3. die therapeutische und 4. die hedonistische Funktion (nach Hartmut von Hentig).

Was kann ein Kunst- und Medienprofil für unsere Schule bringen?

Ein Profilfach Kunst unterscheidet sich von dem üblicherweise eher passiven Lernen durch eine stärkere Fokussierung auf seine besonderen Konturen der praktischen Aneignung. Da wir stadtweit besonders künstlerische und kreative Schülerinnen und Schüler ansprechen wollen, erhoffen wir uns eine ausgewogenere Zusammensetzung der aufzunehmenden Schülerinnen und Schüler, auch was ihr übriges Leistungsprofil anbelangt.

Die Eltern des Kunst- und Medienprofils sind als besonders motivierte Eltern durch die Transparenz des Unterrichtsgeschehens und durch ihre aktive Einbindung in das Schulleben Eltern, die die Verbindung Schule und Elternhaus stark beleben könnten (z.B. Workshops für Ausstellungen und Basare auch für Eltern).

Wir hoffen darüber hinaus, dass wir unseren Ruf als besonders künstlerisch ausgerichtete Schule verbessern können und diese Verbesserung auf unser gesamtes Image positiv wirkt. (Bisher hat unsere Schule diesen guten künstlerischen Ruf sicherlich in "Kennerkreisen". Darauf aufzubauen erscheint sinnvoll.)

Von der Einrichtung eines Kunstprofils würden durch Möglichkeiten der projektartigen Zusammenarbeit mit anderen Fächern (Dokumentation, Präsentation, Medienarbeit, Design) auch diese profitieren. Ausdrücklich ist die Kooperation mit Deutsch, Musik, Technik und engagierten Kollegen gewünscht. Insbesondere ist auch an eine enge Zusammenarbeit mit den Sozialpädagogen gedacht.

Das Schulgebäude würde noch mehr als bisher Zeugnis ablegen von dem künstlerisch-aktiven Leben innerhalb der Schule (Wandgestaltung, Galerien, Ausstellungen). Die Öffnung von Schule hinein in den Stadtbezirk und zu den Kulturinstituten der gesamten Stadt und Region würde durch den Kunstzweig einen großen Schub nach vorne erhalten. (Auf den drei Säulen der Zusammenarbeit mit Museen, Ausbildungsbereichen/Hochschulen und dem Kulturbetrieb vor Ort ist der Kunstzweig geplant.)

Warum ein Kunst- und Medienprofil gerade an unserer Schule?

An unserer Schule gibt es seit Jahrzehnten einen mit viel Anerkennung von Innen und Außen bedachten Kunstunterricht in der Sek. I und der Sek. II. Unsere Schule nimmt kontinuierlich an Wettbewerben auf regionaler und überregionaler Ebene mit hoher Erfolgsquote teil. Unsere ehemaligen Leistungskursschüler sind auf lokaler Ebene in künstlerischen Berufspositionen zu finden, die für den Kunstzweig nützlich wären. Das Atelier "Alte Schule" (Gemeinschaftsatelier Oelbermann, Zinkernagel) stand und steht für Schülerprojekte offen.

Mindestens vier Kollegen sind selber KünstlerInnen und haben entsprechende Kontakte zum Kunstbetrieb. Die KunstkollegInnen zeigen über Jahre hinweg ein großes Engagement, was sich auch in der Gestaltung des Schulhauses und in der Präsentation von Arbeiten in der Öffentlichkeit (z.B. Sparkasse, Schulamt, benachbarte Ärzte, Schulkulturwoche...) niederschlägt. Frau Zinkernagel und ich sind seit Jahren in der Lehrerfortbildung Kunst tätig und können von daher auch Vernetzungen auf überregionaler Ebene vorantreiben. Die notwendigen Ressourcen sind also gegeben. Machen wir was daraus?

Fachinterne, fachübergreifende und berufsbezogene Ziele

Vermittlung von praktischen künstlerischen Fertigkeiten und Fähigkeiten, Vermittlung von Techniken der Bildbearbeitung am Computer, Vermittlung von Kenntnissen der Kunstgeschichte, des Design, der Architektur, der neuen Bildmedien, Förderung künstlerischer Neigungen und Begabungen, Förderung von Motivation und Freude am Gestalten und Präsentieren. Weitere operationalisierte Ziele werden im Lehrplan der einzelnen Klassen aufgewiesen.

Persönlichkeitsbildung, Selbsteinschätzung, Kooperationsfähigkeit, Selbstständigkeit, Innovationsfreude, Gestaltungswille, synergetische Effekte: Förderung der Konzentrationsfähigkeit der intellektuellen Fähigkeiten ...

Durch die Kooperation mit Praktikumsbetrieben, Fachoberschulen, Fachhochschulen, den umliegenden Universitäten soll eine Brücke zum Beruf geschlagen werden. Die Schüler erhalten Einblicke in künstlerische Arbeitsfelder, sowohl während der Schulzeit/(Unterrichtsbesuche), als auch im Praktikum in Klasse 9 und während der Suche nach einem geeigneten Ausbildungs- bzw. Studienplatz. nach Klasse 10 bzw. 13. Darüber hinaus erhalten sie eine Mappenberatung für Aufnahmeprüfungen an Fachhochschulen und Hochschulen mit Grafik und Designausrichtung u.ä.

Die drei Säulen des Kunst- und Medienprofils:

Schon bei der Planung eines Kunst- und Medienprofils für die Sek. I und II soll eine solche Schwerpunktbildung auf solide Fundamente gestellt werden. Das bedeutet, dass neben dem Unterricht in der Schule selber eine Zusammenarbeit mit den Hochschulen, die künstlerische Studiengänge anbieten (Essen, Dortmund, Witten), angestrebt wird. Daneben soll mit den museumspädagogischen Diensten in Bochum und Düsseldorf kooperiert werden. Das Schauspielhaus Bochum bietet Möglichkeiten im bühnenbildnerischen Bereich.

Die Hochschulen:

Durch eine ständige Begleitung durch die Hochschulen (Dortmund und Essen) besteht die Chance zur ständigen Reflexion und Evaluation unserer Praxis vor Ort. Ferner sollen Praktikanten und Lehramtsanwärter im Fach Kunst an unserer Schule ausgebildet werden. (Schließlich müssen wir auch unsere Nachwuchsfrage regeln.) Neue Medien, z.B. Bildbearbeitung am PC, neue kunstpädagogische Methoden und Inhalte kommen als frisches Wissen von der Universität zu uns. Wir vermitteln den Studenten im Gegenzug Erfahrungswissen. Für die Schüler im Profilzweig erschließen sich über diesen Kontakt Einstiege in künstlerische Ausbildungen. Kontinuität, Austausch und die Nachwuchsfrage greifen so ineinander.

Die Museen, der Kunstbetrieb:

Die museumspädagogischen Dienste in Bochum und Düsseldorf bieten Möglichkeiten der Zusammenarbeit an. In Bochum ist eine ehemalige Leistungskursschülerin Kunst im Museum tätig. Zu Düsseldorf bestehen durch den kontinuierlichen Besuch von Fortbildungen Kontakte, die genutzt werden können. Kontakte zu Künstlerinnen und Künstlern, die bereits bestehen, können ausgeweitet werden, Atelierbesuche gehören ebenso wie Galeriebesuche zum Programm.

Im Gemeinschaftsatelier "Alte Schule" in unmittelbarer Schulnähe (Zinkernagel/Oelbermann) können Projekte, z.B. großflächige Arbeiten, erstellt werden. Da diese beiden Kolleginnen selber Künstlerinnen mit Ausstellungserfahrungen sind, bietet diese Ateliernutzung durch Schüler weitere motivationale und kreative Aspekte. Besonders begabte Schüler der Sek. II haben so die Möglichkeit, dort neben dem Unterricht frei zu arbeiten. Dieses privat finanzierte Atelier haben wir auch bisher Schülern zur Verfügung gestellt, würden das bei der Einrichtung eines Kunst- und Medienprofils verstärkt weiterführen. Außerdem ist dieses Atelier Treffpunkt für "ehemalige Künstler" zum Erfahrungsaustausch und zur beruflichen Vernetzung über die Schulzeit hinaus.

Das Theater, Schauspielhaus, Figurentheater:

Zum Malersaal des Theaters in Bochum und Castrop Rauxel bestehen Kontakte. Ein ehemaliger Leistungskursschüler ist Bühnenbildassistent u.a. am Theater Bochum und kann Wichtiges zu den künstlerischen Berufen am Theater aus eigener Erfahrung berichten. Am Figurentheater können Kurse zum Maskenbau besucht werden und in Kooperation Maskenstücke-Performances erarbeitet werden.

Erwartungen, die Eltern und Schüler an das Kunst- und Medienprofil haben dürfen.

Eltern dürfen erwarten, dass ihr Kind eine besondere Förderung von künstlerischen Fähigkeiten und Fertigkeiten erhält, daneben aber keine Ausfälle in den übrigen Unterrichtsfächern haben wird. Sie dürfen erwarten, dass ihre Kinder den kreativen Umgang mit neuen Medien erlernen. Darüber hinaus erhalten ihre Kinder ein fundiertes kunst- und kulturhistorisches Wissen (Allgemeinbildung!). Sie dürfen sicher sein, dass ihre Kinder Zugang zu kulturellen Einrichtungen wie den Museen, Theatern, Ausstellungen erhalten.

Sie können sich darauf verlassen, dass den Kindern Wege in die Berufs- bzw. Studienwelt im künstlerisch-kreativem Bereich gewiesen werden und dieser Übergang von der Schule begleitet wird. Eltern sollten darauf vertrauen, dass eigengestalterische -künstlerische Arbeit ihre Kinder stabilisiert, Selbstbewusstsein stärkt, die Entwicklung von Konzentrationsfähigkeit und Intelligenz stärkt (synergetische Effekte, die nicht zu unterschätzen sind).

Die Schülerinnen und Schüler des Kunstzweiges werden aufbauend auf ihrem jeweiligem Kenntnis- und Erfahrungsstand nach und nach eine umfassende Vielzahl von künstlerischen Techniken kennen lernen. Sie werden sowohl im Umgang mit diesen Techniken (Handwerk) als auch im künstlerisch individuellen Ausdrucksvermögen geschult. Sie werden lernen, sich mithilfe der künstlerischen Mittel so auszudrücken, wie es selber für sie einsichtig und wichtig erscheint. Sie werden viel lernen im Bereich der Grafik, der Fotografie, der Bildbearbeitung am PC, im Bereich der Druckgrafik, der Malerei, Zeichnung und Collage, der Plastik, der Mode, des Designs, der Architektur usw.

Sie werden über die Geschichte der Kunst mit wesentlichen Zügen der Entwicklung der Kunst und Kultur in unserer globalen Welt vertraut werden. Sie lernen durch die Welt der Bilder die Geschichte der Welt verstehen. Die Schülerinnen und Schüler werden den selbstbewussten Umgang mit Kulturinstituten erlernen. die Welt der Museen, der Ausstellungen, des Theaters wird ihnen nicht fremd sein. Die Schülerinnen und Schüler werden sowohl im Schülerpraktikum als auch nach Schulabschluss in ihrer künstlerisch-beruflichen Orientierung begleite (Mappenvorbereitung, Bewerbungen). Die Schülerinnen und Schüler werden viel Freude durch Eigenleistung erleben. Es soll ein Werkstattraum (1424) eingerichtet werden, weitere Kunstklassen sollen in unmittelbarer Nähe im gelben Bereich unten angesiedelt werden.

I.Oelbermann

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