Das Projekt wurde von drei Schulen durchgeführt: der EKS in Bochum (Deutschland), der ZSU in Rybnik (Polen) und des IES Barañain (Spanien). EKS und ZSU arbeiten seit vielen Jahren ausgezeichnet im Rahmen von europäischen Projekten zusammen; das IES ist hochmotiviert und besonders im IT-Bereich auf dem neuesten Stand. Aufgrund der aktuellen Situation in Europa erschien es uns allen dringender denn je, unsere Schülerinnen und Schüler (SuS) darin zu bestärken, sich über ihre demokratischen Rechte und Pflichten zu informieren und sich für diese aktiv einzusetzen. Als Bürgerinnen und Bürger in einem vereinten Europa, die dieses verantwortungsvoll mit gestalten

- benötigen sie Informationen über historische Zusammenhänge

- müssen sie sich über tagespolitische Entwicklungen informieren und dafür seriöse Quellen nutzen, also eine kritische Haltung z. B. gegenüber einseitiger Berichterstattung und Manipulationsversuchen einnehmen

- müssen sie lernen, sich mit anderen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Nation und Religionszugehörigkeit, mit verschiedenen Voraussetzungen, Neigungen und Einstellungen auseinanderzusetzen und dabei respektvoll, tolerant, offen und konstruktiv mit diesen umzugehen im Sinne der horizontalen Priorität der sozialen Eingliederung

- ist es für sie von großem Vorteil, sich souverän in der englischen Sprache ausdrücken zu können und diese als Lingua Franca zu benutzen

- benötigen sie Informationen darüber, in welchen Bereichen sie selber aktiv mitgestalten können. Diese Ziele kann man nur erreichen, wenn man die SuS durch Methodenvielfalt und den Einsatz verschiedenster Medien motiviert.

Es wurde zu drei große Themenkomplexen gearbeitet: 1.„Geschichte der Demokratie“ (von der Antike, über die Französische Revolution, zu den totalitären Regimes der 30er und 40er Jahre des letzten Jahrhunderts bis hin zur Gründung der EU und ihrer aktuellen Bedeutung), 2. „heutige Bedrohungen der Demokratie und der EU (wie Brexit, Konflikte mit der Türkei, nationalistische Strömungen in vielen EU-Ländern etc.) und 3. „Möglichkeiten für SuS, Gesellschaft aktiv mitzugestalten“ (Schülermitverwaltung, junge politische demokratische Parteien, lokale Wohltätigkeitsvereine, Flüchtlingshilfe, internationale Menschenrechtsorganisationen etc.) Das interaktive Lernspiel, das von den SuS gemeinsam kreiert werden sollte, konnte wegen digitaler Schwierigkeiten und aus Zeitgründen nicht erstellt werden. Die fiktiven Gestalten, die zu Projektbeginn im Rahmen eines Online-Wettbewerbs kreiert (Name, Alter, Biografie, Aussehen, Interessen, Charaktereigenschaften etc.) wurden, haben wir dennoch als Leitfiguren für die Projekte verwendet. Dieser Kunstgriff der Erfindung zweier historischer Figuren im Alter der SuS (nämlich zwischen 15 und 18), die durch Zeit und Raum reisen, ermöglichte einen Perspektivenwechsel und somit eine Chance zur Selbstreflexion. Außerdem konnten alle SuS der drei Schulen zu jedem Zeitpunkt beteiligt werden: Diese beiden Figuren zogen sich wie ein roter Faden durch alle Projektaktivitäten; im Rahmen von Theater- und Tanzaufführungen sowie Rollenspielen sind sie Teil des Geschehens, auf Murals wurden sie verewigt, bei der Erstellung eines Demokratiebarometers, eines Trivia-Quizzes zu Demokratie und in Fragebögen zur Evaluation waren sie diejenigen, die den SuS die Fragen stellten. Das interaktive Lernspiel sollte zudem verknüpft werden mit informativen Lernwebsites und mit von SuS selbst erstellten Youtube-Lernvideo u. Tutorials. Videoaufzeichnungen der während der AUL entstandenen Aufführungen und von Besichtigungen konnten hier eingestellt und mit Hör-Sehaufträgen versehen werden, die wiederum von den beiden fiktiven Figuren formuliert wurden. So fand auf sehr motivierende Art und Weise peer-teaching statt. LuL verschiedenster Fächer wurden auch unabhängig von den AUL und den transnationalen Lehrertreffen mit einbezogen. Sie arbeiteten am Projektthema in unterschiedlichen Zusammenhängen mit verschiedenen Schülergruppen der Jahrgänge 9-12 unter Berücksichtigung der schulcurricularen Vorgaben ihrer jeweiligen Fächer. Dies führte zu einer Verankerung des Projektthemas und einer Nachhaltigkeit über das Projektende hinweg. Denn auf diese Weise wurde eine Plattform geschaffen, auf der alle an den Schulen bereits vorhandenen Aktivitäten, um die SuS in ihrer positiven Grundhaltung der europäischen Demokratie gegenüber zu stärken, gebündelt und miteinander vernetzt werden können. Dies ist nur möglich, wenn bereits existierende Erasmus+-Arbeitsgruppen regelmäßig tagen und ihre Aktivitäten miteinander absprechen und anschließend evaluieren. Die Konzeption des Projektes ermöglicht eine Beteiligung der ganzen Schulgemeinde. Aufgrund seiner Relevanz und Brisanz ist es nicht schwergefallen, auch die lokale Presse und örtliche Institutionen und andere Stakeholder zu begeistern und mit einzubeziehen.

Nadja Fliesen, Sina Schönhals 2019

 

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